Editorial

Michael Mädler

Michael Mädler, Chefredakteur der nachrichten

Bild: Heike Rost

Liebe Leserin, lieber Leser,

was waren das noch Zeiten. Als sich die halbe Republik um 20 Uhr vor dem Fernseher zur Tagesschau versammelte, weil man dort verlässliche Informationen über das Weltgeschehen  vermittelt bekam. Als das Label „Made in Germany“ auf Produkten prangte, die wirklich in unserem Land hergestellt wurden. Als Fotos noch Beweiskraft hatten, weil eine Manipulation nur mit größtem Aufwand und nur für Spezialisten möglich war – die Reihe ließe sich fortsetzen.

Inzwischen sind die Dinge komplizierter geworden. Seitdem Photoshop die Welt und unsere Computer erobert hat, können wir nicht mehr Bestimmtheit sagen, ob das, was wir auf einem Foto sehen, der Wirklichkeit entspricht, oder ob der Fotograf, mit welcher Motivation auch immer, geschönt, verfremdet, gefälscht hat. „Made in Germany“ prangt längst auch auf Produkten, die der Produktionskosten wegen irgendwo auf der Welt gefertigt wurden und deren Einzelteile hier bestenfalls noch zusammengeschraubt werden. Und die Verlässlichkeit von Nachrichten hat nicht erst gelitten, seit wir von „Fake news“ und „Alternativen Fakten“ wissen.

Was stimmt, und was stimmt nicht? Was ist wahr? Und woran kann man erkennen, was wahr ist? Oder ist es mit der Wahrheit am Ende doch komplexer, als wir gemeinhin unterstellen?

In unserer aktuellen Ausgabe mit dem Titel „Was ist Wahrheit?" sind wir dem nachgegangen, haben versucht, mit Hilfe unserer Autorinnen und Autoren dem Phänomen der Wahrheit auf die Spur zu kommen.

Interessante  Entdeckungen wünscht Ihnen
Ihre Redaktion der nachrichten

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